Berufliche Teilhabe

Arbeitslosigkeit als Risikofaktor für den Therapieerfolg
Der Anteil arbeitsloser Patientinnen und Patienten in den Suchthilfeeinrichtungen ist in den vergangenen Jahrzehnten überproportional angestiegen, je nach Diagnose und Geschlecht liegt er im ambulanten Bereich zwischen 23,1% (pathologisches Glücksspiel/Männer) und 63,8% (Opioide/Frauen), im stationären Bereich zwischen 35,7% (pathologisches Glücksspiel/Frauen) und 69,6% (Opioide/Frauen)(Deutsche Suchthilfestatistik 2014). Besonders betroffen sind dabei diejenigen, die zu den sogenannten "Problemgruppen" des Arbeitsmarktes zählen: ältere, beruflich gering qualifizierte und gesundheitlich eingeschränkte Menschen.
Für den Erfolg der Suchtbehandlung stellt dies einen bedeutsamen Risikofaktor dar: Arbeitslosigkeit - insbesondere Langzeitarbeitslosigkeit - vergrößert nicht nur das Risiko der Entwicklung oder Chronifizierung einer Suchtkrankheit, sie erhöht auch erheblich die Rückfallquote nach erfolgreich beendeter Therapie. Bei arbeitslosen Alkoholkranken beispielsweise ist diese Quote doppelt so hoch wie bei Alkoholkranken mit Arbeitsplatz.

Anliegen der Suchthilfe
Um die soziale und berufliche Teilhabe der betroffenen Suchtkranken zu sichern und damit zugleich die Effektivität und Nachhaltigkeit der Therapiemaßnahmen der Suchthilfe, stellt die arbeits- und erwerbsbezogene Integration suchtkranker Menschen ein bedeutendes Anliegen auch der Suchthilfe in Niedersachsen dar. In den vergangenen Jahren wurde ein breites Repertoire an Maßnahmen entwickelt, um die Arbeitslosen unter den Suchtpatient/innen bereits während der Therapiemaßnahmen auf einen (Wieder)Einstieg in das Berufsleben vorzubereiten.

Beispiele und Förderung "Guter Praxis"
Die NLS hat in den vergangenen Jahren eine Reihe von Fachtagungen durchgeführt, um für die Problematik zu sensibilisieren und Modelle und Projekte guter Praxis vorzustellen. Weiteres Anliegen war, die Kooperation zwischen den Fachkräften der Suchthilfe und Fachkräften der Arbeitsagenturen/Jobcenter wie auch weiterer Kooperationspartner zu befördern. In regionsspezifischen Foren wurde gemeinsam über Herausforderungen und Lösungsmodelle diskutiert - und oft auch konkrete Schritte zur Verbesserung der Kooperationsbeziehungen vereinbart.
Fachtagungen

Angebote - Strukturen - Bedarfe. Erhebung der NLS in allen Einrichtungen der nds. Suchthilfe
Um bedarfsgerechte Angebote für das Arbeitsfeld entwickeln und anbieten zu können, wurde Ende 2013 in allen ambulanten, stationären und teilstationären Suchthilfeeinrichtungen der Freien Wohlfahrtspflege in Niedersachsen eine schriftliche Erhebung zu den Strukturen und Angeboten zur beruflichen Integration und Teilhabe suchtkranker Menschen durchgeführt. Der im Februar 2015 erschienene Ergebnisbericht kann hier heruntergeladen werden.

Bedarfsanalyse: Expertenworkshops (2015)
Um die quantitativen Ergebnisse der NLS-Erhebung einer vertiefenden qualitativen Analyse und Bewertung zu unterziehen und Schlussfolgerungen abzuleiten, wurden 2015 zwei Expertenworkshops durchgeführt:
- mit Fach- und Führungskräften aus der niedersächsischen Suchthilfe (März 2015)
- mit niedersächsischen Kooperationspartnern der Suchthilfe sowie Vertretern bundesweiter Suchtfachverbände im Rahmen einer Fokusgruppe (Juli 2015)
Es wurde jeweils diskutiert und herausgearbeitet, welche Vorgehensweisen, Leistungsmodule und Instrumente sich bei der beruflichen Orientierung und Integration Suchtkranker bewähren - und welche Verbesserungsbedarfe und Entwicklungspotentiale gesehen werden. Die Ergebnisse wurden im Rahmen der von der NLS beauftragten Expertise "Sucht und Teilhabe" (s.u.) ausgewertet und im Anhang der Expertise veröffentlicht.

"Sucht und Teilhabe - Eine Expertise für Niedersachsen" (2015)
Die Expertise stellt eine Bestandsaufnahme der vielfältigen Angebote der Suchthilfe in Niedersachsen dar, Suchtkranke in Hinsicht auf ihre Teilhabe am Arbeitsleben und am gesellschaftlichen Leben zu unterstützen - ausgehend vom Anspruch der UN-Behindertenrechtskonvention und dem damit verbundenen Teilhabekonzept.
Die Expertise mündet in Hinweisen und Empfehlungen, wie die Teilhabesituation von Suchtkranken durch die Weiterentwicklung von Angeboten und Strukturen noch verbessert werden könnte. Die Vorschläge richten sich an Einrichtungen, Träger und Verbände der Sucht- und Suchtselbsthilfe sowie an deren Kooperationspartner in den Kommunen und im Land Niedersachsen.
Die Expertise wurde im Auftrag der NLS von Prof. Dr. Knut Tielking, Hochschule Emden-Leer, als wissenschaftliches Gutachten erstellt. Sie kann als Broschüre bei der NLS bestellt oder von der Homepage der NLS heruntergeladen werden:
Expertise "Sucht und Teilhabe"

Fachtagung 3. März 2016

Berufliche Integration und Teilhabe Suchtkranker: Kooperation - Vernetzung - Fallmanagement
Auf der Tagung wurden die Ergebnisse der o.g. Expertise "Sucht und Teilhabe" vorgestellt sowie Konzepte und Praxismodelle der trägerübergreifenden Zusammenarbeit von Suchthilfe, Jobcentern und weiteren Kooperationspartnern. Der Fokus lag auf Möglichkeiten zum multiprofessionellen Austausch der Fachkräfte aus den verschiedenen Arbeitsfeldern.
Dokumentation

Termine 2017:

Fortbildung/Fachtag:
Hilfen und Instrumente zur Integration in den Arbeitsmarkt für Suchtkranke im Leistungsbezug SGB II und III"
15. August 2017 (Hannover)

Ansprechpartnerin
Angela Böttger
Tel: 0511 – 626266 – 15
Fax: 0511 – 626266 – 22